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Berichte
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12.11.2004
  "Der Reiz der Waffen" Zeitungsartikel über Doce Pares Eskrima
 

"Der Reiz der Waffen" Zeitungsartikel über Doce Pares Eskrima

KAMPFSPORT: Bei Doce Pares Eskrima kommt es auf die richtigen Bewegungen an


„Karate hört bei Fußtritten auf, hier wehrt man sich mit allem möglichen"

VON CARSTEN BIERMANN


■ Rheda-Wiedenbrück. Das
Duell erinnert an eine Szene aus einem Samurai-Film. Nur, dass die Kämpfer keine Schwerter, sondern Rattanstöcke durch die Luft wirbeln. Klack, Klack, Klack - wie ferngesteuert knallen die armlangen Stangen aneinander. Beim Karateverein Asahi Rheda-Wiedenbrück kann man sie kennenlernen.

Gerade einmal 80 Frauen und Männer sind in dem noch jungen deutschen Doce-Pares-Verband aktiv. So neu der Sport in Europa auch ist, in seiner Heimat blickt er auf eine lange Geschichte zurück. Im 16. Jahrhundert wehrten sich die Philippinos trotz unterlegender Waffen mit der als „Arnis" bekannten Technik zunächst erfolgreich gegen die spanischen Eroberer. Als die Spanier das Land doch unter Kontrolle bekamen, verboten sie aus Angst vor Aufständen den Kampfsport.

Unter dem Deckmantel traditioneller Tänze wurde er im 19. Jahrhundert wiederbelebt. Da das Tragen von Waffen verboten war, ersetzten Holzstöcke die scharfen Schwerter.

All diese Elemente findet man in den seit Mitte des 20. Jahrhunderts unter dem Label Doce Pares Eskrima vereinten Kampfstilen wieder. Der Holländer Frans Stroeven brachte sie zunächst in seine Heimat und baut nach und nach in Europa neue Verbände auf. „Eskrima bedeutet Fechten und ist ein sehr rhythmischer

Sport", sagt Wendel und zeigt dies eindrucksvoll. Nach mehreren Täuschungsmanövern greift er zum Arm seines Kontrahenten, so dass der mit dem Stock nicht zuschlagen kann. Effektive Selbstverteidigung - das ist das Ziel von Doce Pares Escrima. Eine wichtige Rolle spielt der Körper, aber auch Waffen werden eingesetzt. Anders als beim Kung-Fu, wo Säbel oder Stöcke erst von Fortgeschrittenen getragen werden, gilt bei Doce Pares der Kampf mit Händen und Füßen als höchste Stufe.

 

Gerade der frühe Gebrauch von Waffen macht bei Eskrima den besonderen Reiz aus, sagt Wendel: „Karate hört bei Fußtritten auf, hier wehrt man sich mit allem möglichen." Anfänger lernen zunächst, den Bambusstock zu schwingen ohne sich damit zu verletzen. Außer ein paar blauen Flecken passiere nur selten etwas, betont der Trainer: „Besondere körperliche Voraussetzungen muss man für den Sport nicht mitbringen." Größeren Respekt als die Stangen flößt die nächste Waffengattung ein: Messer. Die haben zwar keine Klinge, dürfen aber trotzdem erst von geübten Aktiven in die Hand genommen werden. „Zwei Jahre braucht man schon, um damit anfangen zu können", sagt Wendel. Erst wenn er einen Schützling genau kennen gelernt habe, vertraue er ihm ein Messer an. Für Leute, die sich möglichst schnell zu „Kampfmaschinen" ausbilden lassen wollen, ist Eskrima wegen seiner Komplexität nicht geeignet. Ruhe und Geduld sind wichtige Tugenden, vielleicht ist die asiatische Kampfkunst mit seinen insgesamt zwölf unter schiedlichen Komponenten da her gerade bei Über-30-Jährigei beliebt.

Wendel, der zuvor Kick Boxen gemacht hat, trainiert seil
knapp drei Jahren intensiv Eskrima. In Bielefeld, wo sich ein überregionales Zentrum befindet, hat sich der 40-Jährige zum „Instructor" ausbilden lassen.

In Rheda-Wiedenbrück begeistern sich bisher zehn Männer für den vielseitigen Kampfsport. Wendel hofft auf weiter« Zugänge - nicht nur vom star ken Geschlecht: „Auch Frauei können Eskrima Lernen." für den Anfang reicht normale Sportkleidung. Die schwarzen Anzüge können noch später gekauft werden. Farbige Gürtelaufnäher verraten den Leistungsstand des Kämpfers, wie beim Judo können sie durch Prüfungen erlangt werden. Wer bei schwarz angekommen ist, steigt als nächstes zum „Dan" auf. Das dauert allerdings mindestens fünf Jahre. Schon Anfänger können sich bei Wettkämpfen messen. Hier tragen die Kontrahenten allerdings Schutzmasken, damit nichts passieren kann. + Das Training findet immer dienstags von 20.15 bis 21.45 Uhr im Gymnasium Wiedenbrück statt. Informationen bei Michael Wendel unter 0152/02 0617 50.

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